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federkind
20:14

Komma klar!

Während meine nicht-mehr-studierende-Nachbarin und ihre noch studentische Nicht-BFF auf dem Balkon Quizduell spielen, mache ich mir Gedanken über die "junge Generation" - meine Generation. Darunter fallen aus meiner Perspektive alle Jahrgänge von '84 bis '94.
In den letzten Jahren hat sich mein Freundeskreis doch schon sehr gewandelt. Während in meiner alten Heimat Ausbildungen für die meisten gut genug erschienen und sich die Leute nach und nach ihren Lebensweg gebahnt haben (nicht alle, versteht sich, aber doch die Mehrheit), so hat, so scheint es, der Weg hier eine Weggabelung. Alle sind Studierte oder noch Studierende.
Die eine Hälfte - weit älter als ich, alle um die 30 und schon drüber - hat schon vor Jahren fertig studiert und/ oder ist kurz davor, bieten jedoch schon seit Jahren ihre Arbeitskraft nicht nur für typisch studentische Arbeiten sondern gerade auch studiumsbezogen an.
Die andere Hälfte, die, um die es hier gehen soll und die in meinem Alter und teils älter ist, scheint nur langsam dorthin zukommen, wo sie sich auch nur vorstellen könnten, die Basis für ihren weiteren Lebensweg zu starten. Im Idealfall läuft das ganze zumindest auf eine ordentlich durchlaufene Studienzeit hinaus, mit (meistens) pünktlich abgegebenen Hausarbeiten und regelmäßigen Zwischenstufentests, die sie auch tatsächlich auszeichnen. In schlimmeren, ungefähr gleich häufigen Fällen sind es Leute mit verqueren Vorstellungen, wie ihr Lebensstil mal sein sollte und vor allem auch, was sie im Moment alles nicht ändern möchten.
Nun will ich niemandem absprechen, Nagellack für 20 Euro oder chemische Peelings für 40 Euro zu kaufen, und wer Lust hat, kann auch gerne die Glamour Card bei jeder neuen Herausgabe ausführlich nutzen. Wer bei seiner Band reele Erfolgschancen sieht und die "ganz bestimmt absehbare Überbrückungszeit" dann auf Sozialleistungen setzt, sich dann aber nicht um diversen Papierkram kümmert und sich dann über das (ohne Frage) ungerechte System beschwert, obgleich man die Zeit vielleicht auch zur - nach immerhin knapp zehn investierten Studienjahren - Fertigstellung des Bachelors nutzen hätte können, dem kann ich dann leider nur eines sagen: Sei mal realistisch. Heul nicht so viel rum. Mach lieber. Und träum nicht ständig vor dich hin.
Das Leben ist nicht fair. Jeder soll versuchen dürfen, mit seiner Ausbildung genau den Lebensweg beschreiten zu können, den er gerne beschreiten möchte. Wenn jedoch offensichtlich das Schicksal (oder die eigene Faulheit) einem immer und immer wieder Striche durch die Rechnung machen, sei es doch zumindest anzumerken, dass ein eindeutiger Richtungswechsel sinnvoll sein könnte.
Sicherlich orientiere ich mich hier an Einzelbeispielen, natürlich darf sich die eine, deren Eltern zu viel für einen durchgehenden Bafögantrag verdienen, von ihrem nebenher sauerverdienten Geld kaufen, was auch immer sie will.
Schwer finde ich es nur, wenn die Logik irgendwann nicht mehr mitspielt. Eine Wohnung nicht aufgeben zu wollen, weil diese ja für Bundeslandhauptstadtsverhältnisse echt megagünstig sei, obwohl nun mal günstig immernoch zu teuer für kein Geld ist, ist lächerlich. Sich drei Jahre nicht aufraffen zu können, um den Bachelor fertig zu machen - weil irgendwas ist ja immer - und wegen der dann entstandenen Probleme in eine Starre zu fallen, die einen mental erst recht daran hindert, weiterzumachen, kann ich nur belächeln.
Mein erster Gedanke über diese Dinge war, dies wäre hauptsächlich von den (nicht mehr) intakten Elternhäusern abhängig. Wahrscheinlich gibt es dort statistisch auch eine absehbare Tendenz; in meinem Freundeskreis hat es in jedem Falle am meisten mit den Studienfächern zu tun: Die geistes- und sprachwissenschaftlichen Fächer scheinen - unüberraschend - die meisten Blockierten zu produzieren. Gleichzeitig kenne ich dennoch auch eine ganze Ecke Leute aus genau diesen Studienrichtungen, die die Sache durchgezogen haben, die teilweise Steine aus dem Weg geschoben haben, bei denen ich nicht weiß, ob ich das je geschafft hätte.
Und dann blicke ich auf diese anderen Menschen, die alle aus mittelständischen Familien kommen, es nie wirklicht hart hatten im Leben, und bei denen seit Jahren die immergleichen Worte aus den Mündern strömen: Vielleicht; Hoffentlich; Mal sehen; Grad nicht; Stress; Keine Zeit; mental; Nachdem... dann das; psychosomatisch; Mein Schlafrythmus ist total kaputt; Die haben voll die blöden Öffnungszeiten, Es gibt einfach keine ordentlichen Jobs usw. usf.
Ich mag das G8 nicht. Ich habe Verständnis für Studiendepressionen und verstehe, dass sich mit dem absehbaren Ende eines Studiums bei vor allem nicht so wirklich tollen Arbeitsplatzaussichten jenes Ende nur allzu gerne hinauszögern lässt. Wer nach einigen Semestern nochmal wechselt, oder vielleicht auch schon zum wiederholten Male gewechselt hat, kann das gerne tun. Doch verschone er mich doch bitte mit diesem Herumgejammere, wie schwer das alles sei, wie belastend dieser Tagesablauf. Und seine Wäsche bei Muttern könne man ja auch nur ein Mal alle zwei Wochen waschen.

Bitch, plz.

Keiner von den hier besprochenen Personen musste zwei Jobs gleichzeitig machen, um über die Runden zu kommen. Keiner von Nudeln und Ketchup leben, bis die nächste Bafögzahlung auf das Konto eingehen wird. Jeder dieser Personen hat eine oder mehrere Verwandte, die ihnen moralisch als auch monitär den Rücken stärken.

Sie könnten es so viel einfacher haben. Mit als auch ohne Depressionen.
Die billigere aber immernoch zu teure Wohnung kündigen.
Einen (Neben-)Job annehmen, um nicht in die Schuldenfalle zu kommen.
Angebote von universitären Einrichtungen annehmen, die sich genau dieser Problematiken annehmen und helfen.

Endlich seiner verdammten Hintern hochbekommen.
Reposted byp856 p856

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Schweinderl